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Otto-Friedrich Knese-Grin von Gamm (*1923 - † 2001)

veröffentlicht um 15.04.2017, 07:38 von Christoph von Gamm   [ aktualisiert: 21.04.2017, 08:05 ]

Als Otto-Friedrich Knese-Grin von Gamm am 30. November 1923 in Schwerin, Mecklenburg, geboren wurde, war sein Vater Friedrich-Ludwig 34 und seine Mutter Wera 28 Jahre alt. Er hatte zwei Töchter mit seiner ersten Frau Elisabeth Hufnagel - Gabriele (*1948) und Elisabeth (*1952) und einen Sohn Christoph (*1970) und eine Tochter Eva-Irina (*1971) mit seiner zweiten Frau Eva-Maria geb. Neeb. Er starb im 2001 in Baden-Baden, Baden-Württemberg, im Alter von 78 Jahren. 
Otto-Friedrich v. Gamm wuchs in der Berufsoffiziersfamilie von Gamm auf, weshalb seine Kindheit von häufigen Ortswechseln geprägt war. Im Jahre 1940 legte er sein Abitur ab und leistete anschließend den verpflichtenden Reichsarbeitsdienst sowie den Wehr- und Kriegsdienst. 1945 geriet er als Leutnant in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Herbst 1946 entlassen wurde. Anschließend ließ er sich in München nieder und begann an der Universität Würzburg ein Studium der Rechtswissenschaft, das er 1950 nach sieben Semestern mit der ersten Staatsprüfung abschloss. Drei Jahre später bestand er die zweite Staatsprüfung. Zudem wurde er 1962 bei Friedrich August von der Heydte über ein wettbewerbsrechtliches Thema zum Dr. jur. utr. promoviert.

1954 trat er eine Stelle als Gerichtsassessor beim Landgericht München I an. Bereits hier war er fast ausschließlich mit dem gewerblichen Rechtsschutz und dem Urheberrecht beschäftigt. Zwei Jahre später wurde er zum Landgerichtsrat ernannt, und 1965 wurde er zum Direktor des Landgerichts München I befördert. 

Während seiner Zeit am Landgericht war er einige Jahre Vorsitzender einer für gewerblichen Rechtsschutz, Urheberrecht und Kartellrecht zuständigen Kammer.Im Jahre 1970 erfolgte seine Berufung an den Bundesgerichtshof. Hier gehörte er dem I. Zivilsenat an, dessen Zuständigkeit sich auf das Urheber-, Wettbewerbs- und Warenzeichenrecht erstreckte. Seit 1973 war er zugleich Mitglied im Kartellsenat. 1978 habilitierte er sich über „Immaterialgüterrechte und Leistungsschutz im EWG-Kartellrecht“. 

Im Juli 1978 wurde ihm der Vorsitz des I. Zivilsenates übertragen. Nachdem er zuvor schon als Privatdozent an den Universitäten in Würzburg und Heidelberg gelehrt hatte, wurde er 1985 an der Universität Heidelberg zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Mit Erreichen des Ruhestandsalters schied er im November 1990 aus dem Bundesgerichtshof aus. Aus diesem Anlass wurde er mit einer Festschrift geehrt. Anschließend betätigte er sich als Rechtsanwalt. Gamm gehörte einer vom Bundesministerium der Justiz eingesetzten Sachverständigen-Kommission für den gewerblichen Rechtsschutz und für das Urheberrecht, dem Kuratorium des in München ansässigen Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht und dem Gesamtvorstand der Deutschen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht sowie den einschlägigen Fachausschüssen für Wettbewerbs- und Warenzeichenrecht und für Urheberrecht an. Zudem führte er den Vorsitz der gemäß dem Urheberrechtswahrnehmungsgesetz gebildeten Schiedsstelle. Freiherr von Gamm wurde auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt.

- mit freundlicher Unterstützung durch einige Autoren bei Wikipedia - 

Werk

Die erste Publikation von Gamm aus dem Jahre 1957 befasste sich mit den „Grundfragen des Filmrechts“. In der Folgezeit erschienen zahlreiche Einzeldarstellungen und Monographien zu verschiedenen Rechtsmaterien, beispielsweise zum Kartellrecht im EWG-Bereich (1961 und 1969), zum Wettbewerbsrecht (1964), zum Warenzeichengesetz (1965), zum Geschmacksmusterrecht (1966 und 1989), zum Urheberrechtsgesetz (1968), zum Handelsrecht (1970) und zum Kartellrecht (1979 und 1990). Im Jahre 1987 veröffentlichte er eine systematische Gesamtdarstellung des Wettbewerbs- und Wettbewerbsverfahrensrechts. Im Reimer'schen Kommentar übernahm er die Erläuterung des Wettbewerbsrechts (1972), in der Reihe „Heymanns Taschenkommentare“ erschien von ihm eine Kommentierung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (1975, 1981 und 1993).

  • von Gamm, Otto-Friedrich: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 3. erw. Auflage, Heymann, Köln, 1994 [1]
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Kartellrecht, 2. erw. und üb. Auflage, Heymann, Köln, 1990 [2]
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Geschmacksmustergesetz - - München : Beck, 1989, 2., neu bearb. u. erw. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Aktuelle Änderungen und neuere Rechtsprechung zum Geschmacksmusterrrecht Köln : Verl. Kommunikationsforum, 1988
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Warenzeichenrecht - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, Tagungs- u. Verl.-Ges., 1988, 3., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neue höchstrichterliche Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht (UWG) - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, Tagungs- u. Verl.-Ges., 1987, 5., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht (UWG) - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, 1986, 4., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht - [Frankfurt (Main)] : [Wertpapier- Mitteilungen], 1986
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Warenzeichenrecht - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, Tagungs- u. Verl.-Ges., 1985, 2., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht (UWG) - Köln : Kommunikationsforum Recht Wirtschaft Steuern, 1985, 3., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht [Frankfurt (Main)] : [Wertpapier-Mitteilungen], 1984
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht (UWG) - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, 1983, 2., neubearb. Aufl.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb - Köln : Heymann, 1981, 2., erw. Aufl., Stand: 20. September 1981
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Warenzeichenrecht - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, Tagungs- u. Verl.-Ges., 1980
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Kartellrecht - Köln, Berlin, Bonn, München : Heymann, [1979]
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Neuere höchstrichterliche Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht (UWG) - Köln : Kommunikationsforum Recht, Wirtschaft, Steuern, Tagungs- u. Verl.-Ges., 1979
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Wettbewerbsrechtliche Nebengesetze - Köln, Berlin, Bonn, München : Heymann, 1977, Stand: 1. Februar 1977
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Handelsrecht - [München] : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1976, 2., neubearb. Aufl., Stand: 1. April 1976.
  • von Gamm, Otto-Friedrich: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb - Köln, Berlin, Bonn, München : Heymann, 1975, Stand: 1. Jan. 1975.

Literatur

  • Willi ErdmannHans-Kurt MeesHenning PiperOtto TeplitzkyWolfgang HefermehlPeter Ulmer (Hrsg.): Festschrift für Otto-Friedrich Frhr. v. Gamm. Heymann, Köln u. a. 1990, ISBN 3-452-21880-5.
  • Rudolf NirkOtto-Friedrich Frhr. v. Gamm zum 70. Geburtstag. In: Neue Juristische Wochenzeitung 1993, S. 3124f.
  • Rudolf Nirk: Otto-Friedrich Frhr. v. Gamm zum 75. Geburtstag. In: Neue Juristische Wochenzeitung 1998, S. 3628.
  • Rudolf Nirk: Otto-Friedrich Freiherr von Gamm †. In: Neue Juristische Wochenzeitung 2001, S. 1774.
  • Willi Erdmann: Otto-Friedrich Frhr. v. Gamm †. Otto-Friedrich Frhr. v. Gamm zum Gedenken. In: Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht 2001, S. 457f.
  • Nadine Drönner: Otto-Friedrich Freiherr von Gamm (1923-2001). In: Simon Apel, Louis Pahlow, Matthias Wießner (Hrsg.): Biographisches Handbuch des Geistigen Eigentums, Mohr Siebeck, Tübingen 2017, S. 100-105.

Weblinks

Otto-Friedrich Knese Grin v. Gamm